
Eigentlich wollte ich diesen Abend gar nicht allein verbringen.
Im Freibad fand ein Abend nur für Frauen statt. Gemeinsam mit einer Freundin wollte ich hingehen. Doch kurz vorher sagte sie ab. Ich war hin- und hergerissen: Zuhause bleiben oder trotzdem fahren?
Zum Glück habe ich mich entschieden, loszufahren.
Als ich im Freibad ankam, wusste ich sofort, dass es die richtige Entscheidung gewesen war. Überall schwammen leuchtend pinke Flamingos im Wasser, rund um den Pool standen liebevoll dekorierte Stehtische, leise Musik spielte im Hintergrund und die Atmosphäre war einfach wunderschön. Nur das Wetter hatte andere Pläne. Statt eines lauen Sommerabends war es überraschend frisch. Also zog ich erst einmal meinen Badeanzug an und schwamm ein paar Bahnen zwischen den Flamingos hindurch.
Danach wurde mir allerdings ziemlich kalt. Warm angezogen holte ich mir etwas zu trinken und machte mich auf die Suche nach einer ruhigen Bank. Eigentlich wollte ich einfach am Wasser sitzen, der Musik zuhören und den Abend in Ruhe genießen.
Auf dem Weg dorthin entdeckte ich einen Stehtisch mit Salzstangen.
„Ein paar davon nehme ich mir noch“, dachte ich.
Also griff ich beherzt in das Glas – genau in dem Moment, als zwei junge Frauen dort Fotos machten.
Klick!
Da war sie: meine Hand, auf frischer Tat beim Salzstangen-Klau erwischt.
Wir mussten alle drei sofort lachen. Die beiden meinten nur: „Bedien dich ruhig!“ Mit meinen erbeuteten Salzstangen zog ich weiter zu meiner Bank. Allerdings blieb ich dort nicht lange allein. Kurze Zeit später kam eine der beiden Frauen zu mir.
„Willst du dich nicht zu uns kommen?“
Ich erklärte, dass ich nach meiner Krebserkrankung noch nicht lange stehen könne, ich aber gerne dazukommen würde und einfach schauen müsste, wie lange es klappt.
Und genau so machten wir es.
Mal stand ich einen Moment, mal lehnte ich mich am Stehtisch an, mal setzte ich mich zwischendurch wieder auf die Bank.
Wir unterhielten uns wunderbar.
Und irgendwann passierte etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte.
Die Musik wurde lauter.
Wir fingen an zu tanzen.
Und plötzlich merkte ich etwas Erstaunliches:
Tanzen fiel mir viel leichter als einfach nur still zu stehen.
Wir lachten, redeten und verbrachten gemeinsam einen wunderschönen Abend.
Auf jedem Tisch stand ein kleiner Flamingo.
Als Erinnerung durfte einer davon mit nach Hause.
Heute steht er bei mir und erinnert mich an einen Abend, der ganz anders verlief als geplant.
Und vielleicht war genau das das Schönste daran.
Manchmal entstehen die schönsten Begegnungen genau dann, wenn wir unsere ursprünglichen Pläne loslassen und einfach dem Leben erlauben, uns zu überraschen. 🦩❤️